Der Internationale Frauentag am 8. März erinnert an die langen Kämpfe von Frauen* für politische Teilhabe, soziale Rechte und ökonomische Gleichstellung.

Historisch wurzelt er in den Arbeiterinnenbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts, in denen Frauen* für das Recht auf Arbeit, faire Löhne und Schutz vor Ausbeutung eintraten(siehe: Offen, Karen. (2000). European Feminisms, 1700–1950: A Political History. Stanford University Press).
Diese Themen sind bis heute relevant: Sie verbinden Fragen von Geschlecht, Arbeit und Selbstbestimmung und machen sichtbar, wie ökonomische und soziale Strukturen die Handlungsmöglichkeiten von Frauen* prägen.

Feministische Analysen zeigen, dass Arbeit nicht neutral ist, sondern ein Feld, in dem Machtverhältnisse und Ungleichheiten ausgehandelt werden. Tätigkeiten, die überwiegend von Frauen* ausgeübt werden oder gesellschaftlich als „nicht-normativ“ gelten, erfahren häufig systematische Abwertung und Moralzuschreibungen (Faissner et al., 2024). Sexarbeit ist ein besonders prägnantes Beispiel: Sie wird politisch und moralisch stark reguliert, häufig stigmatisiert und selten als Erwerbsarbeit anerkannt, obwohl sie klare ökonomische und soziale Realitäten abbildet (siehe: Weitzer, Ronald. (2010). The Mythology of Prostitution: Advocacy Research, Policy, and Practice. Sexuality Research & Social Policy, 7(3), 1–11. https://doi.org/10.1007/s13178-010-0010-2).

Internationale Organisationen betonen, dass Frauen* nur dann wirklich selbstbestimmt arbeiten können, wenn ihnen rechtlicher Schutz, Zugang zu Gesundheitsversorgung und soziale Absicherung garantiert werden. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) fordert, dass

„Geschlechtergerechtigkeit in der Arbeit nicht nur Lohngleichheit, sondern auch Schutz vor Ausbeutung, Diskriminierung und Gewalt umfasst“ 

(ILO, 2019).

Ebenso unterstreichen WHO und UNAIDS, dass Stigmatisierung und Strafverfolgung zentrale Barrieren für Gesundheitsversorgung und soziale Teilhabe darstellen (WHO et al., 2013; Faissner et al., 2024).

Eine intersektionale Perspektive verdeutlicht, dass die Erfahrungen von Frauen* in der Arbeitswelt nicht homogen sind. Diskriminierung wirkt entlang von Geschlecht, Herkunft, sozialem Status, Aufenthaltsrecht und sexueller Identität. Sexarbeitende Frauen*, trans* und nicht-binäre Personen erfahren diese Mehrfachdiskriminierungen besonders stark, was ihre Handlungsspielräume erheblich einschränkt und Selbstbestimmung stark an die bestehenden sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen bindet (Faissner et al., 2024).

Madonna e. V. versteht Feminismus als konkrete Praxis: Wir orientieren uns an den Stimmen und Bedürfnissen der Menschen, die wir beraten. Unser Ziel ist, Arbeitsrechte und Selbstbestimmung von Sexarbeitenden zu stärken, Barrieren abzubauen und sichere Zugänge zu Beratung, Information und Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Feminismus heißt hier, strukturelle Ungleichheiten sichtbar zu machen und Handlungsspielräume aktiv zu erweitern.

Der Internationale Frauentag bietet Anlass, über feministische Perspektiven auf Arbeit, Körper und Selbstbestimmung nachzudenken – und solidarisch für Rechte, Schutz und Handlungsmacht aller Frauen* einzutreten, auch dort, wo gesellschaftliche Anerkennung noch immer erkämpft werden muss.

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