Manchmal ist es nur eine Mieterhöhung. Eine Nachzahlung, die niemand eingeplant hat. Eine Kündigung, ein Krankheitsfall, ein Abschluss, der hier nicht anerkannt wird. Und plötzlich reicht das Geld nicht mehr, und die Frage ist nicht mehr, was man sich wünscht, sondern was man sich leisten kann.
Am 17. Oktober ist der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut. Er geht zurück auf ein Treffen in Paris 1987, bei dem Menschen, die selbst von Armut betroffen waren, der Opfer von extremer Armut, Hunger und Gewalt gedachten. Das ist uns wichtig: Der Tag kommt von denen, die es betrifft.
Auch bei uns bei Madonna e.V. in Bochum ist Armut ein Thema, weil sie in der Sexarbeit eine Rolle spielt. Nicht bei allen, nicht immer, aber oft genug, um darüber zu reden. Für manche ist Sexarbeit ein bewusst gewählter Beruf. Für andere ist sie ein Weg, über die Runden zu kommen, wenn Schulden drücken, die Miete steigt, Kinder versorgt werden müssen oder der Arbeitsmarkt Türen verschlossen hält. Beides ist legitim, und beides verdient, ernst genommen zu werden, ohne Mitleid und ohne Moralurteil.
Was Armut dabei verschärft, ist das Stigma. Wer als Sexarbeiter*in bekannt wird, riskiert die Kündigung im Hauptjob, die Wohnung, das Bankkonto. Wer aussteigen will, steht mit einer Lücke im Lebenslauf da und mit der Angst, erkannt zu werden. So hält das Stigma Menschen in der Armut fest. Dazu kommen fehlende Krankenversicherung, ausgeschlossene Sozialleistungen, Anmeldepflichten und Auflagen, die Menschen in prekären Lagen noch zusätzlich belasten.
Niemand sollte aus Not zu etwas gezwungen werden, und niemand sollte wegen seiner Tätigkeit in Not bleiben müssen.
Dafür braucht es:
- ✓Entkriminalisierung der Sexarbeit
- ✓Zugang zu Gesundheitsversorgung und sozialer Absicherung, egal welche Herkunft, welchen Aufenthaltsstatus oder welche Tätigkeit jemand hat
- ✓Schutz vor Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt, bei Banken und im Job
- ✓Freiwillige, dauerhaft finanzierte Beratungsangebote, auch für alle, die sich beruflich umorientieren möchten