Am 2. Juni, dem Internationalen Hurentag, öffnete unsere Beratungsstelle ihre Türen für Sexarbeitende, Kooperationspartner*innen, Unterstützer*innen sowie Politiker*innen. Rund 45 Gäst*innen folgten der Einladung, um gemeinsam diesen besonderen Tag zu begehen, miteinander ins Gespräch zu kommen und Einblicke in die Arbeit unserer Einrichtung zu erhalten.

In der Begrüßung wurde auf die aktuelle gesellschafts- und sozialpolitische Situation von Sexarbeitenden eingegangen. Trotz der rechtlichen Anerkennung von Sexarbeit bestehen weiterhin Stigmatisierung, Ausgrenzung und kriminalisierende Regelungen fort. Zugleich wurde deutlich, dass die Debatten um Sexarbeit von sehr unterschiedlichen Perspektiven geprägt sind – sowohl innerhalb feministischer Bewegungen als auch in Politik und Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund wurde die Bedeutung von Austausch, Begegnung und solidarischer Diskussion hervorgehoben. Denn gerade dort, wo unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen aufeinandertreffen, können neue Perspektiven entstehen und gemeinsame Anliegen sichtbar werden.

Diese Idee prägte auch die Veranstaltung selbst. An den Tischen luden Fragenkarten die Gäst*innen dazu ein, miteinander über Erfahrungen, Perspektiven und aktuelle Entwicklungen im Bereich Sexarbeit ins Gespräch zu kommen. 

Welche Vorgaben sollte es für Bordellbetriebe und andere Geschäftspartner*innen von Sexarbeitenden geben? Welche bestehenden Regelungen sollten überdacht oder abgeschafft werden?

Ist Sexarbeit eine gefahrengeneigte Tätigkeit? Wenn ja, warum und wie sollte unsere Gesellschaft damit umgehen? Wenn nein, warum nicht?

Die zahlreichen Gespräche machten deutlich, wie komplex die politischen und praktischen Fragen rund um die Regulierung von Sexarbeit sind. Zugleich zeigte sich, wie groß das Bedürfnis nach einem respektvollen und differenzierten Austausch jenseits zugespitzter Debatten ist.

Musikalisch wurde die Veranstaltung von Johana Henny Bek und Sandra begleitet, die mit ihren Beiträgen für eine angenehme und einladende Atmosphäre sorgten.

Neben den Gesprächen und Begegnungen standen auch inhaltliche Beiträge auf dem Programm. Sven Hensel vom Fluid – Zentrum für queere Kultur & (sexuelle) Bildung – sprach über queere Sexualität und sexuelle Gesundheit. Dabei ging er auf die Bedeutung von sexueller Selbstbestimmung, Wissen über sexuelle Gesundheit sowie die Vielfalt sexueller Lebensrealitäten ein. Anschließend stellte eine Vertreterin der Sexworkers of Cologne die Arbeit der Brigada Callejera vor. Die mexikanische Organisation setzt sich seit vielen Jahren für die Rechte, Gesundheit und Selbstorganisation von Sexarbeitenden ein und gilt international als bedeutendes Beispiel für basisnahe Unterstützung und politische Interessenvertretung. Der Beitrag machte deutlich, welche wichtige Rolle Selbstorganisation und solidarische Netzwerke für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeitenden weltweit spielen.

Im Rahmen einer Führung durch die Beratungsstelle erhielten die Teilnehmenden Einblicke in unsere Arbeit, unsere Angebote und die Geschichte der Einrichtung. Die Führung bot Gelegenheit, über aktuelle Entwicklungen im Arbeitsfeld, bestehende Herausforderungen sowie die Bedeutung niedrigschwelliger Unterstützungsangebote für Sexarbeitende ins Gespräch zu kommen.

Auch das Madonna – Archiv und Dokumentationszentrum SEXARBEIT wurde vorgestellt. Als bundesweit einzigartige Einrichtung bewahrt es Materialien, Dokumente und Zeugnisse zur Geschichte von Sexarbeit und der Sexarbeitsbewegung und trägt damit dazu bei, Perspektiven von Sexarbeitenden sichtbar zu machen und für zukünftige Generationen zu erhalten.

Die große Resonanz auf die Veranstaltung und die vielfältigen Gespräche zeigten, wie wichtig Orte des Austauschs, der Vernetzung und der Solidarität weiterhin sind. Gerade in einer Zeit, in der die Debatten um Sexarbeit häufig polarisiert geführt werden, schaffen solche Begegnungen die Möglichkeit, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen, miteinander ins Gespräch zu kommen und gemeinsame Anliegen sichtbar zu machen.

Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden, Mitwirkenden und Unterstützer*innen, die diesen Tag gemeinsam mit uns gestaltet haben. Unser besonderer Dank gilt zudem allen, die mit ihren Spenden zur Finanzierung des Sommerfests beigetragen haben.

 

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